
Kann Aufforstung die Erde wirklich abkühlen und wo sollte man Bäume pflanzen?
Das großflächige Pflanzen von Bäumen wird oft als wichtige Lösung im Kampf gegen die globale Erwärmung präsentiert. Dennoch bleibt ihre tatsächliche Auswirkung auf die Temperaturen schlecht verstanden und hängt stark von den gewählten Standorten ab. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass Aufforstung die Erde tatsächlich abkühlen kann, allerdings mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen je nach Region und gewählter Strategie.
Wälder wirken sich auf das Klima auf zwei Arten aus. Einerseits binden sie Kohlendioxid, was dessen Anreicherung in der Atmosphäre verringert und den Planeten abkühlt. Andererseits verändern sie die lokale Umgebung, indem sie die Reflexion des Sonnenlichts, die Verdunstung von Wasser und die Oberflächenrauhigkeit beeinflussen. In den Tropen fördern Bäume die Verdunstung und erzeugen Wolken, die das Sonnenlicht reflektieren, was die Temperaturen senkt. In kalten Regionen wie Sibirien oder Kanada absorbieren dunkle Wälder jedoch mehr Wärme als schneebedeckte Flächen oder Grasland, was lokal die Atmosphäre erwärmen kann.
Drei Aufforstungsszenarien wurden mithilfe fortschrittlicher Klimamodelle verglichen. Das erste sieht eine großflächige Aufforstung auf fast 900 Millionen Hektar vor, hauptsächlich in gemäßigten und borealen Zonen. Das zweite konzentriert sich auf tropische Regionen, während das dritte, bescheidenere Szenario etwa 440 Millionen Hektar umfasst. Die Ergebnisse zeigen, dass alle Szenarien zu einer globalen Abkühlung führen, allerdings mit deutlichen Unterschieden. Das tropische Szenario, obwohl weniger ausgedehnt, bietet eine fast ebenso effektive Abkühlung wie das ambitionierteste, da es die Erwärmungseffekte in hohen Breitengraden vermeidet.
Auf lokaler Ebene kühlt Aufforstung die Tropen deutlich ab, indem sie die Luftfeuchtigkeit und die Wolkenbedeckung erhöht. Im Amazonasgebiet, in Zentralafrika und Südostasien sinken die Temperaturen dank Schatten und erhöhter Evapotranspiration. In den borealen Zonen hingegen verdunkelt der Ersatz von Schnee und Grasland durch Wälder den Boden und speichert mehr Wärme, was einen Teil der Vorteile der CO₂-Bindung zunichtemacht.
Ein weiterer wichtiger Effekt ist der Fernwirkungseinfluss von Wäldern. So kann die Aufforstung in Europa oder Nordamerika atmosphärische und ozeanische Strömungen verändern und damit die Temperaturen in weit entfernten Regionen beeinflussen. Schlechte Standortwahl könnte sogar die Erwärmung anderswo verschlimmern, insbesondere durch die Verstärkung von Hitzewellen oder die Störung von Niederschlagsregimen.
Die Studie betont, dass die Lage neuer Wälder genauso entscheidend ist wie ihre Fläche. Eine gezielte Aufforstung in tropischen und subtropischen Zonen maximiert die klimatischen Vorteile, während das Pflanzen von Bäumen in polaren oder gemäßigten Regionen manchmal den gegenteiligen Effekt haben kann. Klimapolitiken müssen daher diese komplexen Dynamiken berücksichtigen, um die Wirkung von Aufforstungsprojekten zu optimieren.
Schließlich kann selbst im besten Fall die Aufforstung die globale Temperatur bis 2100 nur um wenige Zehntel Grad senken. Das reicht nicht aus, um die Ziele des Pariser Abkommens ohne eine drastische Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu erreichen. Wälder spielen eine wesentliche Rolle, können aber keinen Ersatz für eine ambitionierte Energiewende darstellen.
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DOI : https://doi.org/10.1038/s43247-026-03331-3
Titre : Reforestation scenarios shape global and regional temperature outcomes
Revue : Communications Earth & Environment
Éditeur : Springer Science and Business Media LLC
Auteurs : Nora L. S. Fahrenbach; Steven J. De Hertog; Felix Jäger; Peter J. Lawrence; Robert C. Jnglin Wills