Sind die marinen Schutzgebiete im Mittelmeer wirklich wirksam für Fischerei und Biodiversität?
Im Mittelmeer bedrohen Überfischung und die Zerstörung mariner Ökosysteme das Überleben vieler Arten und die Nachhaltigkeit der Fischereiaktivitäten. Eine aktuelle Studie zeigt, dass Managementinstrumente wie marine Schutzgebiete, Fischereibeschränkungen und die Verringerung des Fischereiaufwands eine Schlüsselrolle spielen, ihre Wirksamkeit jedoch stark vom Schutzgrad und der Umsetzung vor Ort abhängt.
Handelsrelevante Arten, insbesondere Fische, profitieren stärker von diesen Maßnahmen als nicht-kommerzielle Arten oder benthische Organismen, zu denen Tiere und Pflanzen am Meeresboden gehören. Unter den untersuchten Instrumenten zeigen vollständig geschützte Zonen, in denen jegliche Fischereiaktivität verboten ist, positivere Ergebnisse als teilweise geschützte Zonen, in denen bestimmte Praktiken weiterhin erlaubt sind. Allerdings bieten selbst diese teilweise geschützten Zonen weniger Vorteile als gezielte Fischereibeschränkungen oder die allgemeine Reduzierung des Fischereiaufwands.
Die strenge Durchsetzung der Regeln ist ein entscheidender Faktor. Vollständig geschützte und gut überwachte Zonen erzielen deutlich günstigere Effekte als solche mit schwacher oder mäßiger Kontrolle. Umgekehrt verringern oder verschwinden die ökologischen und wirtschaftlichen Vorteile, wenn die Umsetzung lasch ist. Dies liegt daran, dass ohne Überwachung illegale Aktivitäten fortbestehen und die Naturschutzziele gefährden.
Fischereibeschränkungen, wie das Verbot der Grundschleppnetzfischerei oder die Begrenzung des Fischereiaufwands in bestimmten Gebieten, können ebenfalls den Zustand der Fischbestände und der Lebensräume verbessern. Diese Maßnahmen fördern, wenn sie gut konzipiert und eingehalten werden, die Erholung der Fischpopulationen und verringern den Druck auf fragile Ökosysteme. Allerdings kann ihre wirtschaftliche Auswirkung unterschiedlich ausfallen: Während einige Flotten kurzfristig sinkende Gewinne verzeichnen, profitieren andere von der Zunahme der kommerziellen Bestände.
Die Studie weist zudem auf einen Mangel an Daten zur tatsächlichen Umsetzung der Regeln in fast einem Drittel der marinen Schutzgebiete im Mittelmeer hin. Dies erschwert eine präzise Bewertung ihrer Wirksamkeit. Darüber hinaus sind die meisten geschützten Gebiete im Mittelmeer als „minimal geschützt“ eingestuft, was bedeutet, dass sie weiterhin schädliche menschliche Aktivitäten zulassen, die der Biodiversität schaden.
Um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, ist es daher entscheidend, vollständig geschützte und gut überwachte Zonen zu bevorzugen und diese Managementinstrumente in eine umfassendere marine Raumplanung zu integrieren. Dies erfordert eine bessere Koordinierung der oft getrennt behandelten Naturschutz- und Fischereipolitiken, um die Vorteile für Ökosysteme und lokale Gemeinschaften zu maximieren. Ein partizipativer Ansatz, der Fischer und Wissenschaftler einbezieht, fördert zudem die Akzeptanz und Einhaltung der Regeln und stärkt so deren Wirksamkeit.
Schließlich sprechen handelsrelevante Arten besser auf Schutzmaßnahmen an als nicht-kommerzielle Arten oder benthische Lebensgemeinschaften. Dies liegt daran, dass kommerziell genutzte Arten oft besser erforscht und überwacht werden, was eine Anpassung der Managementmaßnahmen an ihre spezifischen Bedürfnisse ermöglicht. Dagegen zeigen weniger beachtete Organismen am Meeresboden je nach lokalem Kontext unterschiedlichere, manchmal neutrale oder sogar negative Reaktionen.
Diese Analyse bestätigt, dass die Qualität des Schutzes und der Regelumsetzung genauso wichtig ist wie die Anzahl der geschützten Gebiete. Ohne strenges Management und angemessene Kontrollmechanismen riskieren selbst die besten Absichten, wirkungslos zu bleiben.
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DOI : https://doi.org/10.1007/s11160-026-10044-5
Titre : Ecological and economic outcomes of area-based conservation and sustainable fisheries management in the Mediterranean Sea
Revue : Reviews in Fish Biology and Fisheries
Éditeur : Springer Science and Business Media LLC
Auteurs : M. D. Castro-Cadenas; J. Claudet; M. Ortega; V. Sbragaglia; M. Coll