Haben Insekten ihren stärksten Rückgang in der Mitte des 20. Jahrhunderts erlebt?

Haben Insekten ihren stärksten Rückgang in der Mitte des 20. Jahrhunderts erlebt?

Eine einzigartige Analyse über neun Jahrzehnte zeigt, dass die Insektenpopulationen in der Schweiz tiefgreifende Veränderungen durchlaufen haben, insbesondere zwischen den 1930er- und 1980er-Jahren. Saproxyliche Käfer, die auf Totholz für ihr Überleben angewiesen sind, und Schmetterlinge, die für die Bestäubung essenziell sind, verzeichneten in dieser Zeit einen deutlichen Rückgang ihrer Artenvielfalt. Die saproxylichen Käfer erlebten bereits ab den 1930er-Jahren einen starken Rückgang, gefolgt von einer Stabilisierung und einer leichten Erholung ab den 2000er-Jahren. Schmetterlinge hingegen gingen bis in die 1980er-Jahre weiter zurück, ohne jemals ihr ursprüngliches Niveau wiederzuerreichen.

Dieser Rückgang fällt mit einer Phase der massiven Intensivierung der Landwirtschaft zusammen, insbesondere zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren. Der Einsatz von landwirtschaftlichen Maschinen veränderte die Landschaften grundlegend und reduzierte natürliche Lebensräume wie Halbnaturwiesen und alte Wälder. Diese Veränderungen betrafen besonders spezialisierte Arten, die sich nicht an vereinfachte und verarmte Lebensräume anpassen konnten. Saproxyliche Käfer litten beispielsweise unter dem Verschwinden von Totholz, einer lebenswichtigen Ressource für ihren Lebenszyklus. Schmetterlinge wurden durch den Rückgang spezifischer Wirtspflanzen beeinträchtigt, die für ihr Überleben unerlässlich sind.

Ab den 1980er-Jahren zeichnete sich für bestimmte Arten ein umgekehrter Trend ab. Die Klimaveränderung begünstigte Insekten, die an höhere Temperaturen angepasst sind, während kälteliebende Arten weiter zurückgingen. Saproxyliche Käfer profitierten zudem von der Zunahme an verfügbarem Totholz, bedingt durch Stürme und eine biodiversitätsfreundlichere Waldbewirtschaftung. Diese Ereignisse schufen günstigere Bedingungen, wie eine bessere Lichteinstrahlung und ein erhöhtes Nahrungsangebot.

Die Unterschiede zwischen den Schweizer Regionen sind ebenfalls deutlich. In den Plateauregionen und den Nordalpen, wo die Landwirtschaft am intensivsten betrieben wird, erlitten die Schmetterlinge die größten Verluste, mit Rückgängen von fast 30 %. In den Zentralalpen und im Jura waren die Rückgänge dagegen weniger ausgeprägt oder sogar stabil für bestimmte Arten. Diese Unterschiede lassen sich durch unterschiedliche Grade der landwirtschaftlichen Intensivierung und der Waldbewirtschaftung erklären.

Generalistische Arten, die in verschiedenen Lebensräumen überleben können, widerstanden besser als Spezialisten, die von sehr spezifischen Umweltbedingungen abhängig sind. Unter den Letzteren waren besonders große saproxyliche Käfer und kleine Schmetterlinge betroffen. Erstere benötigen Stämme mit großem Durchmesser, die durch die intensive Waldbewirtschaftung selten geworden sind. Letztere, die weniger mobil sind, haben Schwierigkeiten, sich an fragmentierte Landschaften und schnelle Veränderungen anzupassen.

Arten, die an warme Temperaturen angepasst sind, erlebten nach 1980 einen Aufschwung und profitierten von der beschleunigten Klimaveränderung. Im Gegensatz dazu gingen kälteliebende Arten weiter zurück, insbesondere in Bergregionen, wo ihre Lebensräume schrumpfen. Dieses Phänomen zeigt eine Umstrukturierung der Insektengemeinschaften, bei der sich Gewinner und Verlierer je nach ihrer Anpassungsfähigkeit an die neuen Bedingungen abzeichnen.

Diese Studie zeigt, dass Naturschutzmaßnahmen historische Veränderungen und die Auswirkungen des Klimas berücksichtigen müssen. Die Verringerung der Auswirkungen von landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Praktiken bleibt entscheidend, um die Vielfalt der Insekten zu bewahren. Aktuelle Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität, wie eine naturnähere Waldbewirtschaftung und agrarumweltliche Programme, haben bereits dazu beigetragen, bestimmte Populationen zu stabilisieren. Dennoch leiden spezialisierte Arten weiterhin, was die Bedeutung der Wiederherstellung ihrer Lebensräume und der Verbesserung der Vernetzung von Landschaften unterstreicht.

Haben Insekten ihren stärksten Rückgang in der Mitte des 20. Jahrhunderts erlebt?

Eine einzigartige Analyse über neun Jahrzehnte zeigt, dass die Insektenpopulationen in der Schweiz tiefgreifende Veränderungen durchlaufen haben, insbesondere zwischen den 1930er- und 1980er-Jahren. Saproxyliche Käfer, die auf Totholz für ihr Überleben angewiesen sind, und Schmetterlinge, die für die Bestäubung essenziell sind, verzeichneten in dieser Zeit einen deutlichen Rückgang ihrer Artenvielfalt. Die saproxylichen Käfer erlebten bereits ab den 1930er-Jahren einen starken Rückgang, gefolgt von einer Stabilisierung und einer leichten Erholung ab den 2000er-Jahren. Schmetterlinge hingegen gingen bis in die 1980er-Jahre weiter zurück, ohne jemals ihr ursprüngliches Niveau wiederzuerreichen.

Dieser Rückgang fällt mit einer Phase der massiven Intensivierung der Landwirtschaft zusammen, insbesondere zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren. Der Einsatz von landwirtschaftlichen Maschinen veränderte die Landschaften grundlegend und reduzierte natürliche Lebensräume wie Halbnaturwiesen und alte Wälder. Diese Veränderungen betrafen besonders spezialisierte Arten, die sich nicht an vereinfachte und verarmte Lebensräume anpassen konnten. Saproxyliche Käfer litten beispielsweise unter dem Verschwinden von Totholz, einer lebenswichtigen Ressource für ihren Lebenszyklus. Schmetterlinge wurden durch den Rückgang spezifischer Wirtspflanzen beeinträchtigt, die für ihr Überleben unerlässlich sind.

Ab den 1980er-Jahren zeichnete sich für bestimmte Arten ein umgekehrter Trend ab. Die Klimaveränderung begünstigte Insekten, die an höhere Temperaturen angepasst sind, während kälteliebende Arten weiter zurückgingen. Saproxyliche Käfer profitierten zudem von der Zunahme an verfügbarem Totholz, bedingt durch Stürme und eine biodiversitätsfreundlichere Waldbewirtschaftung. Diese Ereignisse schufen günstigere Bedingungen, wie eine bessere Lichteinstrahlung und ein erhöhtes Nahrungsangebot.

Die Unterschiede zwischen den Schweizer Regionen sind ebenfalls deutlich. In den Plateauregionen und den Nordalpen, wo die Landwirtschaft am intensivsten betrieben wird, erlitten die Schmetterlinge die größten Verluste, mit Rückgängen von fast 30 %. In den Zentralalpen und im Jura waren die Rückgänge dagegen weniger ausgeprägt oder sogar stabil für bestimmte Arten. Diese Unterschiede lassen sich durch unterschiedliche Grade der landwirtschaftlichen Intensivierung und der Waldbewirtschaftung erklären.

Generalistische Arten, die in verschiedenen Lebensräumen überleben können, widerstanden besser als Spezialisten, die von sehr spezifischen Umweltbedingungen abhängig sind. Unter den Letzteren waren besonders große saproxyliche Käfer und kleine Schmetterlinge betroffen. Erstere benötigen Stämme mit großem Durchmesser, die durch die intensive Waldbewirtschaftung selten geworden sind. Letztere, die weniger mobil sind, haben Schwierigkeiten, sich an fragmentierte Landschaften und schnelle Veränderungen anzupassen.

Arten, die an warme Temperaturen angepasst sind, erlebten nach 1980 einen Aufschwung und profitierten von der beschleunigten Klimaveränderung. Im Gegensatz dazu gingen kälteliebende Arten weiter zurück, insbesondere in Bergregionen, wo ihre Lebensräume schrumpfen. Dieses Phänomen zeigt eine Umstrukturierung der Insektengemeinschaften, bei der sich Gewinner und Verlierer je nach ihrer Anpassungsfähigkeit an die neuen Bedingungen abzeichnen.

Diese Studie zeigt, dass Naturschutzmaßnahmen historische Veränderungen und die Auswirkungen des Klimas berücksichtigen müssen. Die Verringerung der Auswirkungen von landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Praktiken bleibt entscheidend, um die Vielfalt der Insekten zu bewahren. Aktuelle Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität, wie eine naturnähere Waldbewirtschaftung und agrarumweltliche Programme, haben bereits dazu beigetragen, bestimmte Populationen zu stabilisieren. Dennoch leiden spezialisierte Arten weiterhin, was die Bedeutung der Wiederherstellung ihrer Lebensräume und der Verbesserung der Vernetzung von Landschaften unterstreicht.


Crédits et attributions

Source principale

DOI : https://doi.org/10.1038/s41559-026-03074-6

Titre : Ninety-year trends reveal sharpest insect declines in the mid-twentieth century

Revue : Nature Ecology & Evolution

Éditeur : Springer Science and Business Media LLC

Auteurs : Felix Neff; Kurt Bollmann; Yannick Chittaro; Martin M. Gossner; Felix Herzog; Fränzi Korner-Nievergelt; Glenn Litsios; Carlos Martínez-Núñez; Marco Moretti; Emmanuel Rey; Andreas Sanchez; Eva Knop

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